Migration Shopware 5 → 6: Wie ein realistischer Projektplan aussieht

von Wolfscastle, Team

Phasen, Aufwände, typische Stolperfallen und warum „so lange wie möglich warten" am Ende fast immer teurer wird.

Warum die Migration kein „mal eben"-Projekt ist

Shopware 5 und Shopware 6 teilen denselben Namen, aber technisch sind es zwei unterschiedliche Systeme. Shopware 6 ist auf Symfony 6 aufgesetzt, nutzt eine andere Plugin-Architektur, ein anderes Template-System (Twig statt Smarty), eine andere Storefront-Generation und ein anderes Datenmodell mit konsequenterer API-Orientierung. Eine Migration ist deshalb selten ein „Datenexport + Datenimport", sondern eine Neuimplementierung mit Datenübernahme.

Das klingt einschüchternd. In der Praxis ist es absolut beherrschbar – wenn man es als Projekt mit Anfang, Mitte und Ende plant und nicht als Dauerbaustelle.

Phasen, die sich in unseren Projekten bewährt haben

Phase 1: Audit (3–5 Werktage)

Bestandsaufnahme dessen, was in Ihrem aktuellen Shopware-5-Shop tatsächlich läuft – nicht dessen, was laut Dokumentation laufen sollte.

  • Welche Plugins sind installiert, welche aktiv genutzt?
  • Welche Customizations am Core wurden vorgenommen?
  • Welche Drittsysteme (ERP, PIM, CRM, Versand, Zahlung) hängen dran?
  • Wie groß sind Produktkatalog, Kundenstamm, Bestellhistorie?
  • Gibt es Performance-Probleme, die bereits bekannt sind?

Ergebnis: eine ehrliche Liste, was 1:1 übertragbar ist, was ersetzt werden muss und was vielleicht endlich abgeschaltet gehört.

Phase 2: Migrationsplan und Festpreis (1–2 Wochen)

Aus dem Audit entsteht ein verbindlicher Plan. Reihenfolge, Aufwand, Startdatum, Festpreis. Das Datum ist nicht „wir starten irgendwann", sondern „wir starten am soundsovielten" – nach unserer Kapazität, nicht nach Ihrem Wunschdenken.

Phase 3: Neuaufbau und Datenmigration (4–8 Wochen)

Parallel zum laufenden Shopware-5-Shop wird Shopware 6 sauber aufgesetzt. Das umfasst:

  • Hosting-Setup (oder Übernahme bestehender Infrastruktur)
  • Theme- und Template-Implementierung
  • Übernahme oder Neuentwicklung von Plugins und Customizations
  • Datenmigration: Produkte, Kategorien, Kunden, Bestellungen, Inhaltsseiten
  • Anbindung an bestehende Drittsysteme

Die Datenmigration läuft idealerweise mehrfach im Probebetrieb, bevor die finale Übernahme ansteht. So lassen sich Inkonsistenzen früh erkennen.

Phase 4: Cut-over (1 definiertes Wartungsfenster)

Der Wechsel selbst – DNS, finaler Datenabgleich, Reverse-Proxy-Umschaltung, Cache-Aufbau. Wartungsfenster bewusst außerhalb der Hauptumsatzzeit, mit Rollback-Plan in der Schublade.

Phase 5: Übergabe ins laufende Management

Direkt nach Go-Live geht der Shop in die monatliche Betreuung über – Monitoring, Patches, Performance-Tuning, Reports. Keine Zwischenphase, in der niemand sich kümmert.

Typische Stolperfallen

  • „Wir nehmen alle Plugins mit." In den meisten Shops sind 20–40 % der installierten Plugins faktisch ungenutzt. Migration ist der beste Zeitpunkt aufzuräumen.
  • „Das Theme ist ja schon gemacht." Shopware-5-Themes sind nicht auf Shopware 6 portierbar. Das Frontend muss neu gedacht werden – idealerweise mit aktualisiertem UX-Konzept.
  • „Die Datenmigration läuft automatisch." Der offizielle Migration Assistant ist ein guter Startpunkt, deckt aber nicht alle individuellen Datenstrukturen ab. Custom-Felder, alte Feldformate und individuelle Logik müssen manuell betrachtet werden.
  • „Wir migrieren zwischendurch." Eine Migration neben dem Tagesgeschäft, ohne dedizierte Slots auf beiden Seiten, dauert das Doppelte. Wer migriert, sollte intern auch einen festen Ansprechpartner stellen.

Realistische Zeit- und Kostenrahmen

Für einen mittelgroßen Shop (sagen wir: 5.000 Produkte, 10.000 Kunden, moderates Customizing, 15 Plugins) ist eine Gesamtprojektdauer von 10–14 Wochen vom Audit bis zum Go-Live realistisch. Kosten variieren je nach Customizing stark und sollten immer als Festpreis nach dem Audit fixiert werden – pauschale Hausnummern vorab führen verlässlich zu späteren Konflikten.

Für sehr kleine Shops kann das schneller gehen, für hoch individualisierte Enterprise-Setups deutlich länger. Wer Ihnen ohne Audit einen Festpreis nennt, schätzt aus dem Bauchgefühl und wird das während des Projekts korrigieren wollen.

Warum „so lange warten wie möglich" am Ende teurer wird

Die offene Rechnung beim Aufschieben:

  • Plugins, die heute noch portierbar sind, fallen morgen weg.
  • Senior-Entwickler mit Shopware-5-Erfahrung werden seltener und teurer.
  • Sicherheitsrisiken kumulieren – ein Vorfall vor der Migration kostet doppelt: Schaden plus erzwungene Eilmigration.
  • Eigenes Personal verlernt Shopware 5, weil sie schon mit anderen Systemen arbeiten.

Es gibt selten den perfekten Zeitpunkt für eine Migration. Es gibt aber definitiv einen schlechtesten: der Moment, in dem es nicht mehr freiwillig ist.

Wenn Sie wissen wollen, wie Ihre Migration konkret aussehen könnte, vereinbaren Sie ein Audit-Gespräch. Wir liefern eine ehrliche Einschätzung – auch wenn die Antwort manchmal lautet: „Sie haben noch 12 Monate, lassen Sie sich Zeit."

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