Porto und Pakete 2027: Deutsche Post darf Preise stärker anheben

von Wolfscastle, Team

Die Bundesnetzagentur will der Post ab 2027 mehr Spielraum geben: 10,72 Prozent bei Privatkundenpaketen, 20,35 Prozent bei Briefen. Was Händler wissen sollten.

Die Deutsche Post soll ihre Preise für Privatkundenpakete ab 2027 um durchschnittlich 10,72 Prozent erhöhen dürfen. Bei Briefen und Geschäftspost liegt der Spielraum bei 20,35 Prozent. Das geht aus dem Entscheidungsentwurf hervor, den die Bundesnetzagentur am 12. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Der Rahmen soll vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028 gelten.

Endgültig ist das noch nicht. Post, Wettbewerber, Verbraucherschutzorganisationen und andere Interessierte können bis zum 30. Oktober 2026 Stellung nehmen. Die finale Entscheidung will die Behörde voraussichtlich im November veröffentlichen.

Der Spielraum wächst deutlich gegenüber 2024

Zum Vergleich nennt die Bundesnetzagentur die Werte der letzten Runde. Im Jahr 2024 durfte die Post Privatkundenpakete im Schnitt um 7,21 Prozent verteuern, Briefe und Geschäftspost um 10,48 Prozent. Für Briefe verdoppelt sich der Spielraum also beinahe.

Die Zahlen ergeben sich aus einer Formel. Die Behörde setzt für die zwei Jahre eine Inflationsrate von 4,04 Prozent an. Dazu kommt eine Produktivitätsrate, die diesmal negativ ist: minus 6,68 Prozent bei Paketen, minus 16,31 Prozent bei Briefen und Geschäftspost. Die negative Rate treibt den Spielraum nach oben.

Als Hauptgrund nennt Behördenpräsident Klaus Müller die sinkenden Briefmengen. Kommunikation wandert in digitale Kanäle, ab 2028 wird die elektronische Rechnung für Unternehmen Pflicht. Weniger Sendungen bedeuten höhere Kosten pro Stück. Die Post hatte laut Händlerbund mehr gefordert. Die Behörde erkannte die geltend gemachten Mehrkosten nicht in voller Höhe an.

Welches Paket wie viel teurer wird, steht noch nicht fest

Die 10,72 Prozent sind ein Durchschnitt über alle Produkte im Korb der Privatkundenpakete. Wie die Post diesen Rahmen auf einzelne Produkte verteilt, entscheidet sie selbst. Einzelne Preise können deshalb stärker oder schwächer steigen. Erst nach der endgültigen Entscheidung beantragt die Post die Genehmigung konkreter Produktpreise. Die Bundesnetzagentur genehmigt sie, wenn sie im vorgegebenen Rahmen liegen.

Konkrete Paketpreise für 2027 gibt es also noch nicht. Für Briefe kursiert eine Beispielrechnung: Würde die Post alle Briefprodukte gleichmäßig verteuern, kostete der Standardbrief laut ZDFheute ab Januar 2027 1,14 Euro statt 95 Cent. Auch das ist nur eine Rechnung, keine angekündigte Preisliste.

Die Post selbst verweist gegenüber ZDFheute auf gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Material. Sie werde mit dem Spielraum „verantwortungsvoll umgehen“.

Verhandelte Geschäftskundenpreise regelt die Behörde nicht direkt

Für viele Onlinehändler ist das der wichtigste Punkt. Der Rahmen gilt für Pakete, die Privatkunden verschicken. Preise für Händler mit individuell vereinbarten Konditionen legt die Entscheidung laut Händlerbund nicht direkt fest.

Ganz unberührt bleiben Geschäftskunden trotzdem nicht unbedingt. Der Händlerbund zitiert Fachmedien wie die VerkehrsRundschau, die für Unternehmen mit großen Versandmengen ebenfalls steigende Logistikkosten erwarten. Das könne sich auf Versandkosten und Verkaufspreise auswirken. Wie stark ein einzelner Shop betroffen ist, hängt nach dem Händlerbund vom eigenen Vertrag und vom genutzten Versandprodukt ab.

Anders liegt der Fall bei Briefen. Der Spielraum von 20,35 Prozent gilt für Privatkundenbriefe und ebenso für Geschäftspost, also Teilleistungen und Postzustellungsaufträge.

Diese Fragen sollten Sie vor November klären

Aus der Pressemitteilung und dem Beitrag des Händlerbunds ergeben sich ein paar Punkte, die Sie jetzt prüfen können:

  • Versenden Sie über einen Geschäftskundenvertrag mit eigenen Konditionen oder zu den Preisen für Privatkunden? Nur im zweiten Fall greift der regulierte Rahmen direkt.
  • Wann läuft Ihr Versandvertrag aus, und was steht darin zu Preisanpassungen?
  • Welche Kosten im Shop hängen am Porto? Dazu gehören Versandkostenpauschalen, Schwellen für kostenlosen Versand und Retourenetiketten.
  • Verschicken Sie Rechnungen noch per Brief? Für Briefe gilt der höhere Spielraum von 20,35 Prozent.

Belastbare Zahlen gibt es erst, wenn die Post nach der Entscheidung im November ihre Produktpreise beantragt hat und die Bundesnetzagentur sie genehmigt.

Wobei wir helfen können

Neue Versandpreise müssen am Ende im Shop ankommen. Wir passen Versandkosten-Regeln, Freigrenzen und Versandarten in Shopware und Shopify an, sobald die neuen Preise feststehen oder Ihr Dienstleister neue Konditionen schickt. Mehr dazu unter E-Commerce.

Wenn wir uns Ihre Versandeinstellungen ansehen sollen, schreiben Sie uns.

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